Die wahren Feinde unserer Gesellschaft

von Markus Gärtner

 

Die Feinde unserer Gesellschaft sind „rechts“, tragen Springerstiefel und Bomberjacken und breiten sich wie ein Krebsgeschwür über das Land aus. Das lesen wir täglich in zahlreichen Publikationen des deutschen Blätterwalds. Natürlich ist das eine bewusste Ablenkung. Sie dient dazu, uns von den wahren Gegnern und Gefahren unserer Gesellschaft abzulenken.

Zum Beispiel den Herren in Nadelstreifen, die in einem Gebäude-Ensemble im Ostend von Frankfurt residieren, in der Kantine eher Hummer als Humus speisen und offiziell als die Wächter unseres Geldes bezeichnet werden. Doch auch das ist eine Täuschung. Die sogenannten „Geldhüter“ sind mehr denn je dabei, unser Geld zu entwerten, es regelrecht zu vernichten, uns jedes Jahr Zinseinnahmen vorzuenthalten, die sich längst zu einem beträchtlichen dreistelligen Milliardenbetrag summiert haben.

Heute haben sie wieder zugeschlagen, die Herren des Geldes, die seit zehn Jahren mit einer biblischen Geldflut den Finanzministern in der Eurozone und anderswo auf der Welt (mit ihren Pendants in Nordamerika und Asien) kostenlose Kredite ermöglichen und betuchten Investoren satte Kursgewinne bescheren. Dabei pulverisieren die Notenbanker nicht nur die Erträge von Banken, was die nächste Finanzkrise auslösen könnte, sie ziehen auch wie Wegelagerer mit Fernsteuerung den Sparern immer mehr Geld aus den Taschen. Und sie etablieren eine gigantische Fehlsteuerung, die unser Finanzsystem zu einem riesigen Pulverfass umfunktioniert. Dazu gleich mehr.

Sie verfolgen ein ganz anderes Ziel

Heute, am Donnerstag, haben diese modernen Räuber die Strafzinsen für Bankeinlagen in der Eurozone um ein Viertel gesenkt, von 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent. Und sie kaufen wieder Staatsanleihen auf. Offiziell tun sie das mit dem selbstlosen Vorsatz, mehr Geld in den Umlauf zu treiben und so die Wirtschaft anzukurbeln.

Dass Experten und ein genauer Blick auf den Zustand unserer Konjunktur vom Versagen dieses Experiments künden, weil der immensen Geldflut nicht die erhoffte Kreditwelle folgen will, das stört sie nicht. Denn sie verfolgen ein anderes Ziel als das, das sie stets für die Galerie verkünden.

Jetzt verdienen Finanzminister sogar Geld, wenn sie Schulden machen, denn zahlen müssen nicht mehr die, die Geld ausgeliehen haben, sondern die, die es ihnen für eine bestimmte Zeit zur Verfügung stellen.


Testen Sie unser Politikmagazin:

Starke Meinungen, unabhängige Autoren, KEIN Mainstream


Sparer müssen derweil Geld drauflegen, wenn sie Staatsanleihen kaufen, Schuldpapiere, für die sie früher einmal stattliche Zinsen bekommen haben. Anleihen für mehr als 16 Billionen Dollar sind weltweit nun negativ verzinst. Doch die Sparer sehen sich angesichts inflationierter Sachwerte einem ganzen Universum inflationierter Aktien, Immobilien und anderer Anlagemöglichkeiten gegenüber und werden so vermehrt in Anleihen getrieben, Anleihen von Staaten, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Schulden tilgen können und die Währungen zu Waffen in einem eskalierenden globalen Abwertungswettlauf umgeformt haben.

Damit stehen die Finanzwelt - und der Geldmechanismus, der unseren Wohlstand sichert - völlig auf dem Kopf. Denn Sparen lohnt sich nicht mehr, es ist eindeutig ein Verlustgeschäft.

Eine Finanzwelt auf dem Kopf

Das führt dazu, dass von den Bürgern immer weniger Geld für Investitionen zurückgelegt wird, dass Finanzminister sich immer hemmungsloser verschulden und dass Anleger, die sich in vermeintlich sichere Anleihen flüchten, jetzt einen Aufpreis – man könnte es auch Schutzgeld nennen – bezahlen müssen, damit sie mit einiger Wahrscheinlichkeit wenigstens einen Teil ihres Einsatzes irgendwann wieder zurück bekommen.

In einer Finanzwelt, die derart auf den Kopf gestellt wird, tätigen Firmen immer öfter Investitionen, die sie bei marktüblichen - also nicht zu Boden gezwungenen – Zinsen niemals tätigen würden. Es bauen sich Zombiefirmen auf, die sich nur so lange am Markt halten können, wie die Zinsen lächerlich niedrig bleiben. Werden Ausleihungen jemals wieder teurer, droht ein Massensterben von Unternehmen mit allen Folgen, die man sich ausmalen kann: Insolvenzen, Entlassungen, Bankenpleiten, eine neue Finanzkrise - und vielleicht sogar soziale Unruhen.

Diese Art von Geldpolitik kauft der politischen Kaste Zeit für verantwortungslose Politik, sie fährt Geschäftsbanken an die Wand und sie ruiniert auf lange Sicht Sparer.

Wie lange das noch gutgehen kann, weiß niemand. Aber es gibt Schätzungen aus berufenem Munde. Zum Beispiel von dem Banken- und Finanzmarktexperten Markus Krall, der das Ende der Fahnenstange bei der Ertragssituation der Banken schon gegen Ende 2020 vermutet. Andere, die es wissen oder gut abschätzen können, geben ebenfalls kurzfristige Warnungen heraus. Max Otte schreibt in seinem neuen Buch, das Ende Oktober erschienen wird, sogar vom „Weltsystem Crash“. Der Hedgefonds-Manager Ray Dalio warnt, uns bleiben noch zwei Jahre, um unsere Gesellschaft zu retten. Weil die Auswüchse gar zu groß werden, kann er sich eine Revolution vorstellen. Auch der bekannte Ökonomie-Professor Nuriel Roubini an der Stern School of Business erwartet eine erneute Finanzkrise ab 2020.

Dabei fragen wir uns, ob die „alte“ von 2008 jemals zu Ende gegangen ist.

 

Das neue Buch von Max Otte können Sie hier vorbestellen