Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Max Otte

am 15. Mai 2019 an der Hochschule Worms

von Prof. Dr. Norbert Varnholt, Hochschule Worms

 

Auf Twitter nimmt sich Max Otte gerne die Mainstream-Medien zur Brust: "An den #Universitäten versuchen selbsternannte #Zensoren immer öfter, Andersdenkende zu unterdrücken. Wie soll es so zu einem freien Diskurs kommen?" Ich hätte nicht gedacht, dass Ihr das thematisiert", rügte er am 6. Mai die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Hashtags dazu lauteten #Meinungsfreiheit und #Meinungsterror.

Ganz klar: den erfahrenen Fondsmanager, akademischen Lehrer und Publizisten lässt das Thema nicht ruhen. Keine Überraschung also, dass Max Otte am 15. Mai bei seiner Abschiedsvorlesung im Audimax der Hochschule Worms - an der er von 2001 bis 2011 aktiver Professor und seitdem von der Lehrtätigkeit beurlaubt war - dieses drängende Thema zum Mittelpunkt seiner Ausführungen machte. Der Titel der Abschiedsvorlesung:

"Stand der Meinungsfreiheit in Deutschland im Jahr 2019"

Gekommen waren ein halbes Dutzend Kollegen, der Dekan des Fachbereichs Touristik, sowie knapp 200 Zuschauer. Der Präsident der Hochschule, Prof. Dr. Jens Hermsdorf, war verhindert, hatte sich aber für die anschließende private Feier angesagt.

Als ehemaliger Präsident der Hochschule Worms leitete ich die Vorlesung ein und erinnerte an eine Veranstaltung, die ich zusammen mit dem Kollegen Otte und dem verstorbenen Prof. Wilhelm Hankel im Jahr 2009 durchführte. Damals prognostizierten wir dem Euro eine schwierige Zukunft. Diese Prognose sollte leider eintreffen.

Max Otte legte dar, dass aus seiner Sicht die Meinungsfreiheit in Deutschland sehr stark eingeschränkt sei. Er eröffnete seine Vorlesung mit dem Beispiel der "Göttinger Sieben" (u.a. die Gebrüder Grimm), die 1837 die Wiedereinsetzung der liberalen Verfassung im Königreich Hannover forderten. Und holte dann die Diskussion in die Gegenwart, wo in Siegen einem Professor die Mittel für eine Vorlesung zur Meinungsfreiheit gestrichen wurden, weil er neben linken Diskutanten auch Thilo Sarrazin und Marc Jongen einlud. Die Vorlesungen fanden statt, aber auf den durchführenden Professor Dieter Schönecker wurde massiv Einfluss genommen, von "Warnungen" der Kollegen bis hin zu einer Morddrohung. Schönecker konnte seine Vorlesung nur durchführen, weil sich sieben Kollegen - Otte nannte sie die "Siegener Sieben" - hinter ihn stellten. Otte nannte diesen Vorgang "einen wichtigen Wendepunkt" in dem zunehmenden Klima der Repression an den Hochschulen.

Dieter Schönecker war selber gekommen, um vom Fall Siegen zu berichten.

Als weiteren Beleg zitierte Otte unter anderem einen aktuellen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Wie an Hochschulen Meinungen unterdrückt werden":

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wie-an-universitaeten-meinungen-unterdrueckt-werden-16167677.html

Otte führte etliche Beispiele von Repression und Unterdrückung der Meinungsfreiheit auf, unter anderem die Bedrohung der Professorin Susanne Schröter, die an der Universität Frankfurt eine ausgewogene Diskussion zum Thema Kopftuch durchführte.

Im zweiten Teil seiner Vorlesung widmete sich Otte dem System, mit dem die Einschränkung der Meinungsfreiheit erfolgt - aus seiner Sicht eine Interaktion von Presse, die oftmals die Rolle der politischen Polizei einnimmt, NGOs, politischen Eliten und Lobbys.

Im dritten Teil skizzierte Otte Erkenntnisse der Neurowissenschaft, die zeigen, warum Menschen sich auch im Jahr 2019 massiv beeinflussen lassen. Unter anderem sind dies das intuitive schnelle Denken, dass nicht für eine komplexe Welt geschaffen wurde, selektive Wahrnehmung und die Rekognitionsheuristik.

Die Vorlesung war populärwissenschaftlich gehalten. Das mag man kritisieren, der Bedeutung des Topos war es aber durchaus angemessen. Otte schilderte zu Beginn seiner Vorlesung die Szene aus dem Film Matrix, in der für den Protagonisten Neo seine ganze Welt zusammenbricht, nachdem er die rote Pille genommen hat.

Wie stets in seinen Vorträgen formulierte Max Otte konkrete Ratschläge für sein Publikum, wie es sich gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit und die wachsende Beeinflussung durch Mainstream-Medien, NGOs und die politische Kaste mit ihrem zunehmenden Framing schützen können. Fünf Punkte lagen ihm besonders am Herzen:

Wer sich auf tageschau, heute journal und Tageszeitung verlässt, ist verloren! - Bücher lesen! - Sich auch bei Social Media informieren! - Widersprüche aushalten, sich hinterfragen, Fakten suchen, die die eigene Meinung widerlegen könnten! - Haltung bewahren und Mut zeigen!

 

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