Es wird langsam wirklich unerträglich –

Über den Umgang der Medien
mit der Wahrheit

Gastbeitrag von Werner Tomaschewski

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Ich bin eigentlich aus beruflichen Gründen ein ruhiger Mensch und mit einem gutem Nervenkostüm ausgestattet, so schnell bringt mich nichts aus der Ruhe. So dachte ich bisher, denn in den letzten Jahren und besonders in den letzten Monaten beginnt so langsam ein Zorn in mir aufzusteigen, ein Zorn, der sich in vielen Themen der letzten Wochen und Monate festmacht.

Und der Grund? Es sind die gebetsmühlenartigen, ständigen Wiederholungen von Lügen, für die sich Politik und die Mainstream-Medien nicht zu schade sind, um ihr großes Ziel zu erreichen, die Bürger für die anstehende große Transformation mürbe zu klopfen. Ich möchte da an Ihr letztes Video zum Thema Klima anknüpfen und es an einem Beispiel veranschaulichen.

Vor einiger Zeit tauchte ein Bild in den Medien auf, das auf dem ersten Blick suggeriert, hier würde eine rasante Schmelze von Meereseis oder Schnee einen Klimawandel eindrucksvoll dokumentieren.


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Das Eis war sogar dicker als im Vorjahr

Gute journalistische Recherche (auch das gibt es noch!) brachte es aber an den Tag, dass dies absolut nicht stimmte. Dieses Bild mit Schlittenhunden, die durch das Schmelzwasser vor Qaanaaq im Nordwesten von Grönland laufen, zeigt den alljährlichen normalen Vorgang der Schneeschmelze auf dickem Meereseis. Da der Untergrund tiefgefroren ist, kann das Schmelzwasser nicht abfließen und bildet einen knöcheltiefen Oberflächensee auf dem Eis, das zum Zeitpunkt der Aufnahme nach einem sehr strengen und kalten Winter mit 120 cm sogar 20 cm dicker war als im Vorjahr in dieser Gegend von Thule.

Der Verantwortliche für dieses Bild, ein dänischer Meteorologe, gab zu, dass dieses Bild in keinem Zusammenhang zu einem Klimawandel stand. Weil es optisch ihm interessant erschien, veröffentlichte er es, war sich aber keiner Schuld bewusst, die Öffentlichkeit damit hinters Licht geführt zu haben. Die entsprechende inhaltliche Richtigstellung wurde in einigen Mainstream-Medien veröffentlicht.

Man sollte nun meinen, die Geschichte wäre erledigt - weit gefehlt. Vor vier Wochen schlug ich eine Zeitung auf und sah wiederum dieses Bild vor einem Artikel von dpa, der die Gefahren des Klimawandels beschwor.

Da riss mir das erste Mal mein Geduldsfaden

In einer Mail an die Zeitungsredaktion teilte ich mein persönliches Befremden mit, dass man ein Bild zur Veranschaulichung für ein Thema nahm, das nachweislich genau das Gegenteil dessen zeigte.

Zu meiner Verwunderung bekam ich vom Chefredakteur der Verlagskette eine Mail, in der er sich bei mir für die schlechte journalistische Arbeit seiner Redaktion ausdrücklich entschuldigte (Entschuldigung ist abgedruckt am Ende des Beitrags). So etwas wie journalistischen Anstand scheint es offenbar in einigen Redaktionen ja noch zu geben.

Und was sehe ich heute auf der Seite von Gmx.de? Richtig - genau dieses Bild wurde wiederverwendet. Natürlich muss dieses Bild wieder als Beweis für den Klimawandel auf Grönland herhalten. Aber jetzt wird es richtig dreist.

Eine offensichtlich erfundene Geschichte

Es wird in Form einer Reportage eine offensichtlich erfundene Geschichte von einem Hundeschlittenführer erzählt, der die Folgen des Klimawandels beklagt. Es wird sehr eindeutig suggeriert, dass das Bild eine rasante Schmelze von Meereseis oder Schnee einen Klimawandel dokumentieren würde.

Das kann alles aber gar nicht stimmen, denn es handelt sich bei diesem Bild nachweislich um einen interessanten Schnappschuss eines dänischen Meteorologen, nicht mehr und nicht weniger. Die Lage zum Zeitpunkt der Aufnahme war die oben bereits geschilderte und von Journalisten recherchierte Situation. Dieser Meteorologe machte das Foto und sonst niemand.

Es ist schon mehr als befremdlich, dieses Bild zum einen unter falschen Angaben für diesen Artikel zu verwenden, und zum anderen obendrein noch einen frei erfundenen Bericht zu verwenden, denn der Meteorologe war alleine mit seinen Hunden unterwegs und nicht der genannte Hundeschlittenführer, der Fall Relotius lässt schön grüßen. Für wie dumm hält man eigentlich das Publikum, nur um eine bestimmte Meinung dem Bürger unterzujubeln? Es wird langsam wirklich unerträglich. Offenbar scheint es üblich zu werden, für die „richtige“ Sache auch mal Geschichten erfinden zu dürfen. 

Hier noch die im Text erwähnte Antwort des Chefredakteurs:

Sehr geehrter Herr Tomaschewski,

mit Ihrer Kritik an unserer Bildauswahl zum Klimawandel haben Sie ins Schwarze getroffen. Unsere Nachrichtenredaktion geht in Sack und Asche. Sowohl die zuständige Redakteurin für Seite 1 an diesem Tag als auch der Schlussdienst haben nicht erkannt, dass dieses Bild nicht dazu taugt, den Klimawandel zu dokumentieren. In der Fotoagenda war das vermerkt. Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehlleistungen, wohlwissend, dass wir der Diskussion ums Klima einen Bärendienst erwiesen haben.

Mit freundlichen Grüßen - Frank Pröse - Chefredakteur - Mediengruppe Offenbach-Post