Hetzjagden beklagen, aber selbst nach Kräften pöbeln

Im deutschen Journalismus ist etwas abgrundtief faul

von Markus Gärtner

 

Der Ressortleiter Wirtschaft, Finanzen, Immobilen bei der Tageszeitung WELT, Olaf Gersemann, hat einen Artikel über Max Otte geschrieben, der zuerst online, später auch gedruckt erschien und sich mehr als Pamphlet denn als nachrichtlicher Beitrag liest. Der Beitrag mit der Überschrift "Börsenprofessor Max Otte gibt Professorenjob auf" erschien ursprünglich unter der Schlagzeile "Rechter Crash-Prophet Max Otte ist seinen Professoren-Job los". Diese Schlagzeile erweckte beim flüchtigen Leser den Eindruck, dass Max Otte die Professur entzogen wurde, was nicht der Fall ist. Dieser und einige andere irreführende wie böswillig oder nachlässig falsche Punkte haben viele Leser irritiert, den Beschriebenen absichtlich in ein schlechtes Licht gerückt und einen erneuten Tiefpunkt bei der Diffamierung konservativer Menschen in unserem Land durch Mainstream-Medien markiert.

Einer der Kernsätze in dem Artikel war die Behauptung: "Otte hat schon seit Ende vergangenen Jahres keinen Vertrag mehr mit der Hochschule, die eigentlich eine Fachhochschule ist". Allein diese Feststellung bedarf mehrerer wichtiger Ergänzungen oder gar Korrekturen: Max Otte ist auf eigenen Wunsch aus dem Beamtendienst in Rheinland-Pfalz ausgeschieden. Das wird im Beitrag, gemessen an der Bedeutung dieser Information, zu spät deutlich.  Es hat auch keinen Vertrag mit der Hochschule gegeben, weil Beamtenverhältnisse keine Verträge, sondern Dienstverhältnisse sind und nicht mit der Hochschule, sondern mit dem jeweiligen Land abgeschlossen werden. Die Hochschule Worms präsentiert sich als Hochschule, weil sie als solche anerkannt ist. Viele ehemalige Fachhochschulen haben sich in den vergangenen Jahren in Hochschulen umbenannt und auch ihr Angebot entsprechend erweitert. Wer die Webseite der Hochschule Worms aufruft, kann das sehen, siehe Screenshot ..

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In dem Beitrag wird daran Anstoß genommen, dass Max Otte seit Jahren nicht mehr an einer Hochschule unterrichte, aber dennoch seinen Professorentitel mit sich führe. "Ein Etikettenschwindel", mag der Leser schlussfolgern. Doch erst spät in dem Artikel wird darüber informiert, dass dieser insinuierte Skandal gar keiner ist, weil das Hochschulgesetz von Rheinland-Pfalz zugesteht, dass für Professoren die Amtsbezeichnung "zugleich eine akademische Bezeichnung" ist, die "auch nach dem Ausscheiden aus dem Dienst ohne den Zusatz ,außer Dienst (a. D.)’ geführt werden" darf".

Aus dem suggerierten Etikettenschwindler Max Otte wird dann in dem genannten Beitrag auch noch ein Mann, der "mehrfach mit rechten Pöbeleien auffällig geworden" sein soll. "Rechte Gesinnung" und "extreme Äußerungen" werden Otte von Herrn Gersemann vorgehalten. Dafür werden lediglich zwei "Belege" genannt. Eines war ein Tweet zu dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (dessen Name Olaf Gersemann auch nicht korrekt wiedergibt, er schreibt "Lübke"), für den sich Max Otte mehrfach entschuldigt und diesen auch gelöscht hat.

Der zweite "Beleg" für die behauptet extremen Äußerungen war ein Tweet von Max Otte im auslaufenden Monat Juli: "„Jede Stimme für #rechts zählt angesichts des Meinungsterrors und der #Repression in unserem Land doppelt“. Was daran extrem sein soll, erschließt sich dem Leser nicht, weil die ständig zu beobachtende Verengung des Meinungskorridors in unserem Land - laut Gabor Steingart eine Verengung "auf Schießschartengröße" - sowie Ausladungen, Schmähungen und Attacken auf regierungskritische Autoren, Redner und Politiker reichlich Zeugnis davon ablegen, wie repressiv der Umgang mit Menschen anderer Meinung geworden ist, wie rhetorische, mediale und physische Attacken auf Andersmeinende in Deutschland genau diesen Eindruck von Repression und Meinungsterror erzeugen. Eine Einschätzung übrigens, die sogar bis hin zu Kommunalpolitikern wie Boris Palmer in Tübingen geteilt wird. Palmer spricht von "Meinungstyrannen" in seiner eigenen Partei, den Grünen. Hier ein paar Beispiele:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article192434681/Susanne-Schroeter-Frankfurter-Goethe-Universitaet-verteidigt-Islamforscherin-vor-Rassismus-Kritik.htmlhttps://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kommentar-die-diskussionsverbote-an-der-universitaet-siegen-15845056.htmlhttps://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/club-der-vernunft-meinungsfreiheit-an-der-uni-15410075.htmlhttps://www.berlinertageszeitung.de/component/yendifvideoshare/video/3371-zensur-youtube-sperrung-von-nuoviso-tv-ist-verfassungswidrig.htmlhttps://www.wochenblick.at/zensur-youtube-kanal-von-neverforgetniki-geloescht/

 

Die Reaktionen vieler Leser in der Kommentarspalte der WELT zeugen davon, für wie bösartig auch im Publikum der Tageszeitung der Artikel von Olaf Gersemann gehalten wird. Hier nur drei Beispiele:

 

  

Unserer Redaktion liegt auch der (noch nicht abgedruckte) Brief eines Kölner Sportmediziners an den Chefredakteur der WELT-Gruppe, Dr. Ulf Poschardt, vor. Hier zwei Zitate daraus:

"Intensive Reaktionen in den Kommentaren auf diesen Artikel mit dem ursprünglich publizierten Titel „Rechter Crash-Prophet Max Otte ist seinen Professoren-Job los" veranlassten, dass die Überschrift kurzfristig geändert wurde - und dies absolut zurecht. Die kurzfristige Entschärfung des Titels ist eigentlich schon eine Peinlichkeit für eine Qualitätszeitung. Gemäß § 52 Abs. 4 LHG  ist die Amtsbezeichnung "Professor" auch ein akademischer Titel, welche auch nach dem Ausscheiden weitergeführt werden darf. Herr Otte führt also nach dem Ausscheiden aus der Hochschule weiterhin seinen Titel absolut zu recht. Im Artikel von Herrn Gersemann wird jedoch direkt im ersten Satz ein völlig anderer Eindruck vermittelt "(...)Max Otte nennt sich Professor"), der erst weiter unten im Artikel wieder unter Zitierung des oben genannten Paragrafen revidiert wird. Da häufig ein Artikel nicht vollständig und genau gelesen wird, sondern nur überflogen - und hier auch nur der Anfang - drängt sich der erste Eindruck eines Etikettenschwindels auf, welcher objektiv falsch ist". .....

"Persönlich kann der Autor in einer Demokratie seine Meinungen haben und auch äußern, aber dies bitte in Form eines Kommentares und nicht in der Form eines Artikels mit Vermischung von Nachricht und Meinung. Eine ernst zu nehmende Zeitung sollte objektiv und nachprüfbar berichten und politische Meinungen als solches deklarieren, die leider üblich gewordene Vermischung schadet der Qualität des Journalismus. Vor allem sollte eine ernst zu nehmende Zeitung davon Abstand nehmen, vermeintliche Repräsentanten einer in Redaktionsstuben unbeliebten politischen Ausrichtung, ihrer Wählerinnen und Wähler und damit auch einen sicher gerade bei der Welt nicht geringen Anteil von Leserinnen und Lesern implizit in die rechte "Nazi-Schmuddelecke" zu stecken. Damit stärken sie nur die wirklich "Braunen".

Es spricht nichts dagegen, verehrte Leser, dass auch Sie Ihre geschätzte Meinung in einem Kommentar unter dem Artikel in der WELT zum Ausdruck bringen ...

Hier geht es zu dem Artikel von Olaf Gersemann