Deutschlands starkes Immunsystem

von Markus Gärtner

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Im Kommentarforum unseres TV-Kanals auf Youtube und in Zuschriften einzelner Abonnenten von Privatinvestor Politik Spezial wird gelegentlich die Bitte geäußert, „auch mal etwas Positives“ zu schreiben. Dem möchte ich gerne nachkommen, schon weil es eine intellektuelle Herausforderung ist in diesen schwierigen Zeiten mit ihren vielen negativen Nachrichten. Um es vorweg zu nehmen: das eigene Land, Deutschland, ist so ein positives Beispiel.

Während wir die Bewegung der Gelbwesten in Frankreich beobachten und uns oft wünschen, dass auch hierzulande eine Bewegung der Unzufriedenen und aufgebrachten Bürger mehr Druck auf die politische Kaste ausüben würde, vergessen wir gerne, dass der viel gescholtene „Michel“ vielleicht nur deswegen so scheinbar faul und schwer in seinem Sofa liegen bleibt, weil er auf die Belastbarkeit seiner Gesellschaft vertraut und hofft, dass „das alles“ – die wachsende soziale Spaltung, die unkontrollierte Migration, das Versagen vieler Behörden, das Mittelmaß und die Einfallslosigkeit der Politik sowie die Entfernung der politischen Kaste von den Menschen im Land – sich irgendwie noch aufhalten und umkehren lässt. Dass es noch keine größere Protestbewegung in Deutschland gibt, liegt zu einem guten Teil schlicht und ergreifend daran, dass unser Land ein relativ starkes Immunsystem hat, wenn man uns mit anderen Ländern in Europa vergleicht.

Die starke protestantische Arbeitsethik

Als erstes fällt mir die starke (protestantische) Arbeitsethik ein, das „schaffe, schaffe, Häusle baue“, wie es im schwäbischen Teil unseres Landes als Spruch verewigt wurde. Schon Max Weber hat sich mit der Wahlverwandschaft zwischen der religiösen Weltanschauung der Protestanten und dem Kapitalismus als Treiber der Industrialisierung beschäftigt. Luther hat die Arbeit mit Fleiß als eine Erfüllung irdischer Pflichten gesehen, mit der man „Gott wohlgefallen“ kann. Deutschland hat als kleines, dicht besiedeltes Land mit wenig Rohstoffen gar keine andere Chance zu Wohlstand zu kommen, als durch gute Ausbildung und fleißige Hände. Der Fleiß der Deutschen ist also kein Klischee, sondern ein notwendiger und tatsächlicher Treiber unseres Wohlstandes, der sich auch unter schwierigsten Umständen nicht einfach so auflöst.


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Die zweite wichtige Zutat zum starken Immunsystem der Deutschen ist die innere Festigkeit des Landes durch viele regionale Traditionen, die enormen inneren Zusammenhalt verleihen und das starke Gefühl von Gemeinsamkeit erzeugen. Während linke Politiker behaupten, es gebe keine deutsche Kultur, reicht eine kurze Reise durch Franken, Schwaben, Sachsen oder andere Landesteile und Regionen, um die engen Bande zu beobachten, die die Deutschen (trotz regionaler Unterschiede) im Kern zusammenhalten. 

Innerer Wettbewerb und frühe Schulpflicht

Die Vielfalt an Regionalitäten lässt sich aber auch ohne eine Reise durch das Land leicht beobachten oder erahnen. Wenn man bei Google eine Landkarte des 16. Jahrhunderts von Europa aufruft, sieht man im Bereich des heutigen Deutschland hunderte von Grafschaften, Herzogtümern und Bistümern, während sich um die heutigen Landesgrenzen herum bereits gefestigte und einheitliche Staaten bilden, die große, dominierende Zentren entwickelt haben. In Frankreich spielt sich bis heute der wichtigste Teil des Lebens in allen Bereichen in Paris ab, während es in Deutschland einen Wettbewerb zwischen dutzenden von Städten oder Ballungszentren auf verschiedensten Ebenen und in unterschiedlichen Industrien wie Autos, Chemie, IT und Verlagswesen gibt.

Innere Vielfalt und nationaler Wettbewerb gehören zu den wichtigsten Faktoren, die zur Stärke Deutschlands beigetragen haben. Das hat man anderswo auf der Welt so zur Kenntnis genommen und versucht, es nachzuahmen. Wenn die KP in China mit einer administrativen Neuerung experimentiert oder eine neue Industrie beschleunigt entwickeln will, setzt sie stets zwei oder drei Städte gleichzeitig als Versuchsgebiet für die Innovation ein, damit die regionalen Konkurrenten in Wettstreit miteinander stehen und so die Innovation beflügeln.

Sogar die Mägde konnten ordentlich rechnen und schreiben

Wir müssen noch einmal zu Luther zurückkehren (ich bekenne an dieser Stelle, dass ich katholisch bin, nur, um dem möglichen Vorwurf der Voreingenommenheit zu begegnen). Mit der Reformation kam in Deutschland sehr früh die Schulpflicht, weil die Reformation auch eine große Nachfrage nach Pastoren zur Folge hatte und man dafür viel gut gebildeten Nachwuchs brauchte. Mit der Reformation wurde daher die Forderung nach allgemeinen Schulen laut. Luther forderte 1524 in einem Brief an die Ratsherren „aller Städte deutschen Landes“, allgemeine Schulen einzurichten. Vor allem im Südwesten Deutschlands kam man dieser einleuchtenden Forderung nach. In Württemberg zum Beispiel wurde mit der großen Kirchenordnung von 1559 eine allgemeine Schulpflicht festgelegt. Eingeführt wurde sie 1649, also vor bald 500 Jahren.

Bei Stadtführungen zwischen Schwäbisch-Gmünd, Ulm und Tübingen erzählen die Stadtführer bis heute voller Stolz, wie früh in diesen Kommunen Jungen und Mädchen eine gute Schulbildung bekamen und wie sehr reisende Händler staunten, dass auf den lokalen Märkten sogar die Mägde ordentlich schreiben und rechnen konnten. Diese Stärke der Deutschen wird derzeit durch linke Bildungspolitik und durch unkontrollierte Migration ausgehöhlt und zerstört. Doch bis heute ist sie einer der Pfeiler eines starken Immunsystems, weil aus ihr nicht nur viele gut qualifizierte Menschen hervorgehen, sondern auch Vertrauen in die eigene Stärke erwächst.

 

 

Ein letzter Punkt in einer nur kleinen Auswahl, die hier aufgeführt wird, ist die Tatsache, dass Deutschland mitten in der Migrationskrise, die unser Land spaltet wie kaum etwas anderes, unterschiedlichen Anschauungs-Unterricht von verschiedenen Seiten erhält. Im Süden und Osten, genauer gesagt in Österreich, Polen und Ungarn, sind Regierungen an der Macht, die sich klar entschieden haben, keine unkontrollierte Migration zuzulassen und den eigenen Bürgern Priorität zu geben, anstatt dem ideologischen Prinzip „liebe Deinen Übernächsten“ zu folgen. Im Westen und Norden dagegen, also in Nachbarländern wie Frankreich, Belgien und Schweden, hat eine weitreichende Migration zu enormen Problemen geführt und den Deutschen damit ein abschreckendes Beispiel serviert. Diese Galerie der Möglichkeiten und Gefahren, die um uns herum sichtbar ist, dürfte in absehbarer Zeit dazu beitragen, dass auch die Deutschen sich ein Herz fassen und nicht mehr länger NUR auf ihr starkes Immunsystem vertrauen, sondern auch ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. 

Fazit: Deutschland hat eine starke innere Festigkeit und ein kräftiges Immunsystem, was dazu beiträgt, dass die Deutschen in einem zunehmend sozial und politisch gespaltenen Europa vielleicht zuletzt auf die Straße gehen. Die innere Festigkeit und die vielen Traditionen sind aber auch der Grund, warum linke Politiker bis in die CDU hinein beim Bau ihrer bunten Gesellschaft genau an diesem Punkt ansetzen: die Auflösung der Traditionen und eine De-Industrialisierung des Landes. Wir dürfen ihnen dabei nicht länger tatenlos zusehen, starkes Immunsystem hin oder her.