Erdbeben im Zeitungs-Mainstream

Die FAZ trennt sich von Wirtschafts- und Sportchef Holger Steltzner

von Markus Gärtner

 

Über die wahren Gründe kann man bisher nur spekulieren, über das Signal, das vom Ausscheiden Holger Steltzners als einer der vier FAZ-Herausgeber ausgeht, jedoch ganz bestimmt nicht. Die einst unangefochten führende Wirtschaftszeitung Deutschlands - die Pravda wirtschaftlich interessierter Menschen (trotz ihrer endlosen Bleiwüsten) - lehnt sich jetzt noch enger an den linken Zeitgeist an und verabschiedet sich von einem Mann, der mit beständiger, aber klarer Merkelkritik noch viele Leser bei der Stange gehalten hatte.

Holger Steltzner war für das Wirtschafts- und Sportressort verantwortlich und glich zumindest teilweise den zeitgeistigen Unsinn aus, der sich seit einiger Zeit vor allem im Feuilleton des Blatter breitmacht. Dort kann man unter der Schlagzeile "Die weiße Scharia" über Faschismus und Männlichkeit lesen oder sich über den "neuen Nazi-Sex-Boom" rechter Frauen schlaumachen.

 

Die FAZ war auch eine der lautesten Stimmen im Chor des Medien-Mainstreams, der ziemlich genau bis zur Bildung der noch nicht geplatzten Großen Koalition im März 2018 das Märchen vom besten Deutschland aller Zeiten eisern hochhielt (siehe die beiden folgenden Screenshots ....

  

 

Was Steltzner schließlich das Genick brach oder zu dem wohl schweren Zerwürfnis mit der FAZ führte, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht genau. Es könnte aber jener Kommentar sein, den er am 15. Februar über die Energiewende unter der Schlagzeile "Klimareligion mit Ablasshandel" geschrieben hat, eine bittere Abrechnung mit Deutschlands Weg in die "Öko-Planwirtschaft."

 

Hier ein Zitat aus dem Kommentar:

"Mittlerweile werden Städtern sogar Patenschaften für Bienen angeboten. Wird dabei gefragt, welchen Anteil die Energiewende am Schrumpfen der Insektenbestände hat? Auf einem Fünftel der deutschen Ackerfläche wachsen nur noch Energiepflanzen. Der große Flächen- und Betonverbrauch von Windrädern wird nicht erfasst, aber jedes vierte Windrad steht in Schutzgebieten. Wie soll das erst werden, wenn der Anteil des Ökostroms wie geplant von heute 35 auf 80 Prozent im Jahr 2050 steigt?

Deutschland sollte sich von der Illusion verabschieden, als Klassenprimus das Weltklima retten zu können. Nicht Alleingänge einer moralischen Supermacht sind gefragt, sondern rationale und vor allem international abgestimmte Politik mit Maß und Mitte, um die Folgen des Klimawandels aufzufangen, da man den Wandel angesichts der rasant wachsenden Zahl von Menschen wohl allenfalls mindern, aber nicht wird gänzlich verhindern können."

 

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