Lesetipp: "Nachdenken für Deutschland"

Anstoß zu einer wichtigen Debatte, die wir in unserem Land dringend brauchen

von Markus Gärtner

 

 

Wie steht es um Deutschland? Wie können wir die Zukunft unseres wirtschaftlich und politisch verunsicherten Landes sichern? Welche Wege aus der aktuellen Misere, die von der politischen Kaste – vor allem der CDU von Angela Merkel – verursacht wurde, sind denkbar und möglich? Dies ist ein heißdiskutiertes Thema. Aber nicht alle darüber geführten Debatten sind so schonungslos ehrlich und erfrischend zugleich, wie in dem neuen Buch „Nachdenken für Deutschland“, das Mitte Dezember im Buchhandel erscheinen wird. Eine hochkarätige Autorengruppe – 25 Experten aus unterschiedlichen beruflichen Disziplinen – nimmt kein Blatt vor den Mund. Ungeschönt beschreiben sie, wie die Substanz unseres lange Zeit erfolgreichen Landes ideologisch skrupellos und politisch leichtsinnig aufgezehrt und die Säulen unserer Gesellschaft nach und nach eingerissen werden.

Die Autoren sind Staatsrechtler, Historiker und Ökonomen, viele von ihnen Professoren. Zu ihnen gesellt haben sich bei diesem ehrgeizigen Unterfangen auch Theologen, ein Evolutionsbiologe, ein Künstler, Unternehmer, eine bekannte Buchhändlerin sowie ein Dokumentarfilmer mit libanesischen Wurzeln, der in Deutschland seine Heimat gefunden hat. Sie alle sind Kuratoriumsmitglieder der jungen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Nur zwei von ihnen – die AfD-Bundestagsabgeordneten Roland Hartwig und Marc Jongen – sind Politiker – und das noch nicht lange. Hartwig war viele Jahre lang Chefjustitiar eines führenden deutschen Konzerns. Hier beschreiben also Menschen aus bürgerlichen Berufen, die nicht dem politischen System entstammen, wie Deutschland langsam aber vielleicht unwiderruflich an die Wand gefahren wird: durch bürgerfernes Regieren, durch fundamentalistische Wirtschaftspolitik und ideologische Bildungsvorgaben sowie durch wachsende Zensur und eine drastische Verengung des erlaubten Meinungskorridors.

Regierung erfüllt ihren Auftrag nicht mehr

Im Eingangsbeitrag dieses Buches, das Erika Steinbach (Geleitwort) und Max Otte herausgeben, beschreibt Hartwig das „aktuelle Versagen der politischen Eliten in Deutschland.“ Er kommt zu dem gravierenden Fazit, dass die deutsche Regierung „ihren Auftrag gegenüber dem eigenen Staatsvolk nicht mehr erfüllt.“ Hartwigs Eltern flohen mit ihm und seinen drei Geschwistern kurz vor dem Mauerbau aus Ostberlin in den Westen. Als die Mauer fiel hoffte er, dass das wiedervereinigte Deutschland ein neues Kapitel in seiner Geschichte aufschlagen würde. Aber er wurde, wie er schreibt, bitter enttäuscht: „Kräfte gewannen die Oberhand, die lieber gar kein Deutschland als ein starkes Deutschland wollten, und die nun dieses Vorhaben konsequent in die Tat umsetzten. Seit Jahren wird die deutsche Gesellschaft von ihnen mit zunehmender Geschwindigkeit umstrukturiert. Gleichzeitig überträgt Deutschland mehr und mehr Kompetenzen und Gelder nach Brüssel, getrieben von der Sehnsucht nach einem auch politisch vereinten Europa.“


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Die von Hartwig beschriebene Selbstauflösung des Landes, „ein kollektives Versagen ungeheuren Ausmaßes“, wird in vielen Beiträgen dieses lesenswerten Buches deutlich illustriert. Zum Beispiel in der Analyse „Deutschland verflüchtigt sich“ von Marc Jongen, der die Migrationskrise als eine Staats- und Gesellschaftskrise bezeichnet und eindringlich warnt: „Wir stehen vor der Herausforderung, unsere auf Sekurität, Komfort und Konsum errichtete Kultur in ihren Grundlagen zu überdenken und an sehr tief sitzenden Stellschrauben der kulturellen Regeleinstellung Nachjustierungen vorzunehmen, wenn wir eine Überlebenschance als Staat und Kultur haben wollen.“

Eine neue Soziale Marktwirtschaft ist gefragt

Die drohende Selbstauflösung wird auch deutlich, wenn der renommierte Ökonom und erfolgreiche Fondsberater Max Otte fragt, wie die angeschlagene deutsche Wirtschaft nach einem beklemmenden Niedergang wieder zu alter Stärke geführt werden kann. Sie wurde einst dank dezentraler Ausrichtung, einem starken Handwerk, wettbewerbsfähigen Großunternehmen, einem ausgleichenden Sozialprinzip, einem starken industriellen Mittelstand sowie geduldiger Kreditvergabe durch genossenschaftliche Banken und Sparkassen zum weltweit beachteten Erfolgsmodell. Ottes Lösungsvorschläge sind sehr konkret. Sie gipfeln in der Forderung nach einer neuen Sozialen Marktwirtschaft, die leistungsorientiert und innovativ ist. Otte beschreibt eindrucksvoll, warum das kein Widerspruch sein muss.

Die Aufgabe zuvor erkämpfter Souveränitätsrechte

Die fortschreitende und politisch motivierte Selbstauflösung Deutschlands zieht sich als Befund wie ein roter Faden durch das Buch. Der Erfolgsautor Bruno Bandulet, einst Chef vom Dienst der Welt, analysiert in seinem Beitrag, wie die jüngsten Regierungen jahrzehntelang erkämpfte Souveränitätsrechte „größtenteils wieder abgaben – an die EU und an die Europäische Zentralbank.“ Professor Reiner Osbild von der Hochschule Emden/Leer, der 12 Jahre lang in verschiedenen Großbanken arbeitete und im vergangenen Jahrzehnt als einer der besten Analysten europaweit für Benelux- und Allfinanz-Konzerne bekannt wurde, beschreibt am Beispiel der Euro-Rettung, der Migration und der Klimapolitik, wie fundamentalistische Wirtschaftspolitik massiv Volksvermögen der Deutschen vernichtet und uns „in den Totalitarismus zu führen“ droht. In einem der einführenden Aufsätze erläutert Herbert Fuhl, Mitinitiator der Gruppe „Juden in der AfD“, warum er sich als Jude in der noch jungen Partei engagiert. Er macht aus seinen Sorgen über unser Land, unsere Kultur und unseren Rechtsstaat keinen Hehl.

Der promovierte Nano-Technologe und Werkstoffexperte Henning Zoz, 2010 als Manager des Jahres in Südwestfalen geehrt, skizziert in diesem Buch, wie eine politische Kaste Deutschland vom „fortschrittsorientierten Technologietreiber zur polit-ideologischen Spielwiese“ degradiert. Die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen, bekannt geworden durch die „Charta 2017“ (ein offener Brief, der nach Tumulten auf der Frankfurter Buchmesse vor einer drohenden Gesinnungsdiktatur in Deutschland warnte) schildert eine grassierende „Kultur der Meinungsunterdrückung“ in unserem Land.

Auch der libanesisch-deutsche Regisseur und Drehbuchautor Imad Karim sowie der Völkerrechtler Alfred de Zayas – bis zum April 2018 sechs Jahre lang Sonderberichterstatter der UN für die Förderung einer demokratischen und gerechten Weltordnung – kritisieren krasse Fehlleistungen der etablierten Medien und konstatieren eine zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die Juristin Jaklin Chatschadorian, für viele die Stimme der Armenier in Deutschland, erklärt, warum die Integration muslimischer Zuwanderer unter den aktuellen Voraussetzungen bei uns nicht gelingen kann; unter anderem, weil es uns – der aufnehmenden Gesellschaft – an der Wertschätzung für die eigene Identität fehlt, aber auch, weil muslimische Migranten sich weigern, ihre Religion zur Privatsache zu erklären und weil sie eine Eingliederung in die hiesige Sprach- und Arbeitswelt „mit einer Abwertung ihrer Person gleichsetzen.“

Die gute Nachricht: eine Renaissance für Deutschland ist möglich

In fünf Kapiteln wird in diesem Buch eindrucksvoll ein gefährlicher Verzehr von Substanz geschildert, der auch im Abschnitt über die Identität und Kultur der Deutschen deutlich wird. Aber es wird auch eine gute Botschaft formuliert: Deutschland bietet noch immer ein reichhaltiges Reservoir, um eine Renaissance einzuleiten. Die Voraussetzungen sind vorhanden, um von der inneren Sicherheit über die Außen- und Wirtschaftspolitik bis hin zum Sozialsystem und der Reparatur des lädierten Rechtsstaates mit neuen Impulsen eine Kehrtwende einzuleiten, wieder auf die Beine zu kommen und zu alter Stärke zurück finden zu können.

In diesem Werk wird auf sehr konkrete und offene Weise eine Diskussion angestoßen. Eine Diskussion, die die Altparteien und Mainstream-Medien mit Hilfe von Sprech- und Denkverboten sowie wachsender Zensur bis hin zur zeitweisen Unterdrückung von Bürger-Petitionen gerne vermeiden würden. Doch wir brauchen dringend eine offene Debatte, um Wege in eine bessere Zukunft zu finden. „Nachdenken für Deutschland“ leistet hierfür einen wichtigen Beitrag.

Hier geht es zum Buch: „Nachdenken für Deutschland“, Verlag Manuscriptum, 360 Seiten, Erscheinungsdatum 14. Dezember 2018. Preis: 24,80 Euro