Stefan Kretzschmar
hat völlig recht

von Markus Gärtner

Ist die Meinungsfreiheit in Deutschland bedroht? Der Handballer Stefan Kretzschmar sagt ja. Er schlägt mit seiner Kritik seit Tagen hohe Wellen. "Hat man eine einigermaßen kritische Meinung, darf man das in diesem Land nicht sagen", hat sich Kretzschmar beschwert - und damit mitten in ein politisches Wespennest gestochen.

Die politische Kaste in Berlin hält schon die bloße Frage für verwerflich, von der Antwort ganz zu schweigen. Und in den Mainstream-Medien geben sich die Journalisten fassungslos. Kretzschmar habe eine "absurde Debatte" gestartet, wirft die Huffington Post dem Sportler vor. Wo, bitte, soll denn die Meinungsfreiheit hierzulande bedroht sein, fragt der Meinungs-Adel entrüstet.

"Schließlich leben wir in einem Land, in dem wirklich jeder (fast) alles sagen und mit der Meinungsfreiheit begründen kann", schreibt zum Beispiel Jan Lehmann in einem Kommentar für die Lausitzer Rundschau. Er bescheinigt dem Handballer Stefan Kretzschmar, dieser habe sich lediglich "ungünstig ausgedrückt, als er eigentlich die teils unsägliche Diskussionskultur in den sozialen Netzwerken kritisieren wollte, aber stattdessen die fehlende Meinungsfreiheit in Deutschland beklagte." Alles nur ein blödes Missverständnis, soll das heißen, gar nicht so schlimm. Kretzschmar hat es ja ganz anders gemeint.

Der beleidigte Mainstream

Bei der BILD wird fast schon beleidigt gefragt: "Darf man wirklich nicht mehr alles sagen?" Die "Handball-Legende Kretzschmar" – die von der Zeitung in einer Anspielung auf das Parteienspektrum als "einer der weltbesten Linksaußen-Spieler" und als "hart im Nehmen" geschildert wird - habe mit der "bitteren Klage" den aktiven Sportkollegen und der Politik "einen ganz anderen Ball reingehauen." Die Saarbrücker Zeitung schließlich erklärt ihren Lesern, "wie der linke "Kretzsche" aus Versehen zum Held der AfD wurde."


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- und gegen den Mainstream


Genau mit diesem Seitenhieb, einem von vielen die in den vergangenen Tagen gegen Kretzschmar im deutschen Blätterwald ausgeteilt wurden, verrät sich der Medien-Mainstream wieder einmal selbst. Denn er zeigt zum x-ten Mal, wie mit jeglicher Kritik - egal ob sie aus dem Sport, aus der Wirtschaft oder vom Grünen Oberbürgermeister in Tübingen kommt - umgegangen wird: man diskreditiert sie durch Häme, diffamiert sie als "rechts", "populistisch" oder naiv, oder verbucht denjenigen, der sie geäußert hat, einfach bei der AfD und erledigt ihn.

Mit dieser Hauf-drauf-und-mach-schluss"-Methode wird der nächsten Kritik schon im Vorfeld der Wind aus den Segeln genommen, wird Menschen, die Bedenken, Unbehagen oder Enttäuschung über den verengten Meinungskorridor in unserem Land äußern - oder einfach nur auf Missstände aufmerksam machen wollen - signalisiert, dass sie ihre Meinung oder Ansichten lieber für sich behalten und nicht zum Besten geben sollen. Sie könnten ja den "falschen" helfen oder die Menschen draußen im Lande verunsichern.

Es drohen digitale Eliminierung oder wirtschaftlicher Ruin

Das Ergebnis ist genau das, was Kretzschmar mit seinen Worten jetzt so deutlich angeprangert hat: Wer sich bei uns mit Kritik nach Auffassung des Deutungs-Adels zu weit aus dem Fenster lehnt und den Korridor dessen, was Sprachbereiniger, mediale Aufpasser und politisch Korrekte vorgegeben haben, verlässt, dem droht Ächtung, digitale Eliminierung oder vielleicht sogar der wirtschaftliche Ruin.

Davon können inzwischen zahlreiche Autoren, Ökonomen und Politiker, deren Vorträge in Universitäten verhindert, deren Bücher aus etablierten Bestseller-Listen gestrichen oder deren Auftritte von der linksextremen Antifa blockiert worden sind, ein Lied singen - von AfD-Politikern, deren Häuser beschmiert, deren Autos angezündet oder deren Leben bedroht wurde, ganz zu schweigen.

Das infame politische Spiel mit dem "Prüffall"

Gerade die AfD als größte Oppositionspartei im Bundestag bekommt in dieser Woche zu spüren, wie der Kampf gegen Andersdenkende und Opposition in unserem Land neuerdings funktioniert. Politiker der etablierten Parteien, meist der SPD, fordern, dass der Verfassungsschutz nicht genehme Verlage oder eine ungelittene Partei unter Beobachtung nimmt. Wenn die Forderungen oft genug wiederholt werden, nimmt sich der Verfassungsschutz dieser Sache an. Er beginnt – wie er das stets tut – mit einem „Prüffall.“ Das bedeutet, dass alle offen einsehbaren Quellen – darunter Zeitungsberichte, Reden, Studien und Publikationen - gelesen werden. Das sind Quellen, die jedermann zugänglich sind. Erst dann entscheidet die Behörde, ob sie formal Ermittlungen aufnimmt und die Schlapphüte in Marsch setzt.


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Ein Prüffall hat daher zunächst noch gar nichts zu bedeuten. Er dient aber als infames Instrument in einer hässlichen politischen Auseinandersetzung. Ein Prüffall reicht aus, um denjenigen, die den Verfassungsschutz gerufen haben, den Hinweis zu erlauben, der Adressat der Neugier werde ja untersucht, gegen ihn werde bereits ermittelt. Dieses infame politische Spiel findet mit der AfD nicht zum ersten Mal statt, aber es erreicht mit ihr als Adressat einen neuen Höhepunkt in einem Land, dessen Mainstream in Politik, Medien und Kulturbetrieb sofort beleidigt ist, wenn man ihn aufgrund solcher Vorgehensweisen bezichtigt, der Meinungsfreiheit und der Demokratie zu schaden.

Die Schweigespirale als bestes Indiz

Zurück zum „Fall“ Kretzschmar: Besonders verwerflich - und für unsere Demokratie schädlich – ist das Schweigen der Regierung und führender Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien, wenn ein Anschlag konservativen Politikern durch Linksextreme galt, wenn die Antifa eine legitime, angemeldete Demonstration behindert oder angreift, oder wenn nicht genehme Verlage in die hintersten Ecken von Buchmessen verlegt werden.

Doch bei den Menschen kommt eine verheerende Botschaft an: Wenn im Namen der „gerechten“ und „richtigen“ Sache sogar Gewalt geduldet wird, worauf sollen sich dann Menschen in diesem Land gefasst machen, wenn sie eine Meinung zu Protokoll geben, die nicht nahtlos in das geltende Narrativ und das, was die Zeitungen für akzeptabel  halten, passt?

Ganz klar: so sieht das perfekte Rezept für eine Schweigespirale aus. Und die darf man getrost als höchst zuverlässiges Indiz für eine bedrohte Meinungsfreiheit betrachten. Nichts anderes hat Stefan Kretzschmar gemeint.