„Aktien hatten ihren besten Monat
seit Jahrzehnten.“ - Waren Sie dabei?

Von Prof. Dr. Max Otte

 

Sehr geehrte Privatanleger,

vor einigen Tagen, kurz nachdem der letzte Privatinvestor herausgekommen ist, las ich im Wall Street Journal, dass US-Aktien ihren besten Monat in Jahrzehnten hatten. Der S&P stieg 13 Prozent, was der größte Monatsanstieg seit 1987 ist.

Waren Sie dabei?

Natürlich, denn Sie lesen den Privatinvestor. Damit wissen Sie, dass Börsen kurzfristig nicht vorauszusagen sind. Gerade, wenn es massiv wackelt, und die Verunsicherung groß ist, gibt es gute Chancen. Traditionell haben wir dann in unseren Fonds die besten Geschäfte gemacht. Keiner weiß, wie es weitergeht.

Den in der Graphik dargestellten Fehler sollten sie nicht machen. Leider machen ihn 80 Prozent und mehr aller Privatanleger – sie lassen sich von Emotionen treiben. Kurs steigt, Aktie gut. Kurs fällt, Aktie schlecht, so dieses einfache Verhaltensmuster. Ich nenne es Investorenlogik ersten Grades. (Die Logik zweiten Grades wäre es, eine eigene Theorie zu haben. Dritten Grades, seine eigene Theorie kritisch zu hinterfragen und viel Mühe auf die möglichen Gegenargumente zu verwenden.)

 

Investieren ist immer unsicher und schwierig. Deswegen ist die Hauptfrage nicht das Markttiming, sondern die Vermögensaufteilung. Wieviel Aktien, wieviel Liquidität? Edelmetalle, Immobilien?

Wir waren hier die ganze Zeit über in Aktien investiert. Seit Januar 2018 bauten wir Liquidität in den Fonds auf. Zum Schluss hatten wir 25 Prozent, was für unsere Verhältnisse viel ist. Denn wir betreiben ja aktienlastige Mischfonds. Das heißt: diese Fonds sollen dazu beitragen, Ihre Aktienquote abzudecken. Nur, wenn wir nicht mehr genug Investments finden, halten wir Liquidität oder kaufen Anleihen.

Im März haben wir dann die Liquidität eingesetzt und Aktien gekauft. Wir sind jetzt wieder voll investiert. Unsere Fonds haben sich sehr gut erholt, wenn sie auch noch ein gutes Stück vom Februar weg sind. Wie es weitergeht, wissen wir auch nicht. Aber wir wissen, dass wir gute Titel in den Fonds haben, von denen 2/3 auch gut überleben, wenn die Krise sich über 2 Jahre und mehr hinziehen sollten. Natürlich kann nochmal ein deutlicher Rücksetzer kommen, aber diese Titel haben in Summe 80 Prozent Potential zum Inneren Wert.

Es wurde bekannt, dass Warren Buffett Aktienpositionen verkauft hat. Was heißt das für uns? Zunächst einmal nicht sehr viel. Titel wie Jungfraubahn, Takkt, TFF Group und Sixt kann er überhaupt nicht kaufen, denn bei den Volumina, die er bewegt, würde sofort der Kurs weglaufen. Das wäre sogar bei den meisten DAX-Titeln der Fall. Oder bei Simon Property Group. Buffett muss hunderte Milliarden verwalten und mindestens 10 oder noch mehr Milliarden Dollar auf einmal anlegen. Selbst, wenn Buffett Unternehmen wie Jungfraubahn, Takkt, TFF Group und Sixt komplett kaufen könnte, würde ihm das in seinem Gesamtportfolio nichts bringen. Das Volumen wäre einfach viel zu klein, um insgesamt die Performance von Berkshire maßgeblich zu beeinflussen. Bei Sixt bringen Stamm- und Vorzugsaktie zusammen gerade mal 2,3 Milliarden Euro auf die Waage. Das ist weniger als ein halbes Prozent der Bilanzsumme von Berkshire Hathaway. Das muss man sich einfach immer wieder vor Augen führen. Je mehr man investieren muss, desto schwerer wird es, ordentliche Renditen zu erzielen.

Zudem hat Buffett es sich zum Ziel gesetzt, noch einmal einen großen Coup zu, eine große Akquisition zu tätigen. Es kann gut sein, dass im Zuge der Corona-Krise ein Weltkonzern in Schwierigkeiten gerät. Dann wird Buffett zur Stelle sein. Er hat bewiesen, dass er Jahre, Jahrzehnte geduldig auf seine Chance warten kann.

An dieser Stelle kann ich Ihnen nicht sagen, welcher Anteil Aktien in Ihren persönlichen Vermögensmix gehört. Das hängt von vielen Faktoren ab, die ich nicht kenne: Ihrer Erfahrung, Ihrer Anlegerpersönlichkeit, Ihren sonstigen Vermögensgegenständen und Ihrem Alter.

Das aber auch Aktien in (fast) jedes Portfolio gehören, ist klar. Sicherer als Kontoguthaben, und vielleicht auch sicherer als Immobilien, bei denen Zwangsabgaben drohen, sind Aktien von Qualitätsunternehmen allemal.

Auf gute Investments,

Ihr

Max Otte

 

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