Christine Lagarde und der tiefe Griff
in die deutschen Taschen

Von Prof. Dr. Max Otte

 

Letzte Woche war ich beim European Banking Congress in der Alten Oper in Frankfurt. Die Chefs von Deutscher Bank und Commerzbank sowie Jean Lemierre, Vostandsvorsitzender der BNP Paribal, Jens Weidmann, und andere. Irgendwie bekomme ich da immer noch Einladungen.

Ich wollte von Christine Lagarde berichten, die dort so etwas wie ihre erste offizielle Rede hielt. Lagarde sprach unter anderem davon, dass man „Wachstum unterstützen“ müsse und alles grundlegend überdenken müsse. Mit anderen Worten: das, was Mario Draghi gemacht hat, reichte nicht aus oder ist an seine Grenzen gestoßen.

Das heißt natürlich auch, dass die Niedrigzinspolitik fortgesetzt wird, aber es kommt eben noch mehr auf uns zu: weitere Bargeldverdrängung, Haftungsunion, Bankenunion und der tiefe Griff in die deutschen Kassen. Die letzten Reserven werden geplündert, um das Kunstprodukt Euro am Leben zu halten. Und auch das wird Europa nicht zusammenrücken lassen, sondern im Gegenteil wirksame Strukturreformen verhindert.

Christine Lagarde spricht gut Englisch, da sie in den USA studiert und für Baker & MacKenzie gearbeitet hat. Für eine Französin oder einen Franzosen ist das schon ein erheblicher Wettbewerbsvorteil. Sie wurde wegen eines vorschnellen Vergleichs, den sie als französische Finanzministerin mit dem Unternehmer Bernhard Tapie geschlossen hat und der den Staat 400 Millionen Euro kostet, rechtskräftig verurteilt, musste aber keine Strafe zahlen.

Lagarde ist gnadenlos opportunistisch

Lagarde wirkt tough, ist aber gnadenlos opportunistisch. Dem ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy warf sie sich mit einem unterwürfigen Brief an den Hals. Auch jetzt ist davon auszugehen, dass Sie die Politik von Emanuel Macron voll unterstützen wird. Dazu sind keinerlei Absprachen nötig. Es reicht, wenn Macron in seinen Reden vage Signale setzt.


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Es war bezeichnend, anzuschauen, wie von den Spitzenbankern keinerlei Opposition und Widerspruch kam, obwohl die Niedrigzinspolitik für die europäischen Banken existenzbedrohlich ist. Man kann dies an den Kursen von Deutscher Bank (WKN: ) und Commerzbank (WKN: ) sehen. Man kutscht. Klar, denn seit einiger Zeit hat die Europäische Zentralbank die Aufsicht über Europas große Banken. Jens Weidmann hielt eine gute, aber eher akademische Rede. Auch er scheint sich mit der Entmachtung der Bundesbank abgefunden zu habe.

An den Kapitalmärkten wird das „weiter so“, oder „noch mehr davon“ gut aufgenommen:  der S&P feiert bei mittlerweile 3150 neue Höchststände. Auch der Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM) und der PI Global Value Fonds (A0NE9G) sind auf neuen Hochs, der Max Otte VBF bei 142,16 und der PI Global, der sechs Jahre länger am Markt ist, bei 255,25. Dabei haben wir aktuell einen kleinen strukturellen Nachteil gegenüber den Indizes, da wir mit Liquiditätsquoten zwischen 20 und 30 Prozent arbeiten. Indizes sind ja per definitionem voll investiert. In der nächsten Korrektur kehrt sich das dann zum Vorteil um. Und in der Krise wird es existenziell wichtig.

Ihr

Prof. Dr. Max Otte

PS: Mein Buch Weltsystemcrash hält sich nun in der fünften Woche in der Beststellerliste, und immer noch in den Top 10. Letzten Sonntag brachte der Bruchkritiker der ard, Denis Scheck, in der Sendung „Druckfrisch“ eine unterirdisch schlechte Rezension. Es ist offensichtlich, dass Scheck das Buch nicht gelesen hat, denn er zitiert ausgerechnet eine Passage über Migrationsströme, obwohl das Buch nur ganz am Rande von Migration handelt. Hauptinhalte sind 1. Geopolitik, 2. das marode Finanzsystem und 3. Der Abstieg der Mittelschicht.

Ich würde die Spaltungen, über die schreibe, damit erst schaffen und mich damit über das „selbstgekochte Süppchen“ empören. Ich bin CDU-Mitglied, aber das stört Scheck nicht, der mich als „afd-Vordenker“ bezeichnet. Sein Fazit: „Ein Buch, das Ekel in mir auslöst“. Hier nochmal zum Nachverfolgen:

https://www.youtube.com/watch?v=4yH-r0owzOA

Markus Gärtner hat das im Politikkanal kommentiert:

https://www.youtube.com/watch?v=wssMkVAFF2E&

Roland Tichy, mit dem ich letzte Woche ein Gespräch für Tichys Einblick führte, schreibt mir hierzu: „Denis Scheck verstehe ich überhaupt nicht. Ich schätze gerade  die Sorgfalt und Fülle Ihres Buches.  Fast ein aktuelles Nachschlagewerk.  Ob ich in jedem Punkt folge ist völlig egal. Ich finde auch nichts „rechtspopulistisches" dann. So ein Quatsch. Es ist der reine Vernichtungswille....“

Ich glaube, es ärgert die Offiziellen einfach, dass ein Buch, welches nicht in die aktuelle Linie passt, sich so gut auf der SPIEGEL-Liste hält und nicht ignoriert werden kann.  Wir haben schon komische Zeiten.

Der Vater der modernen deutschen Crashliteratur

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt: „Max Otte, so etwas wie der Vater der modernen deutschen Crashliteratur, hat es ein paar Nummern kleiner. Gleichwohl präsentiert er in seinem neuen Buch abermals viele vermeintliche Übel, von der unbewältigten Finanzkrise, über den fürchterlichen Donald Trump bis hin zum schrecklichen Euro. Immerhin: Otte ist nicht so sehr auf Endzeitstimmung gepolt (wie Friedrich und Weik), sein Ton ist deutlich weniger appellierend und aufgeregt.“

Immerhin! Allerdings hat auch Thomas Klemm von der FAS das Buch nicht wirklich gelesen, sonst hätte er gesehen, dass ich mich um ein differenziertes Bild von Donald Trump bemühe.

Bald ist Weihnachten. Helfen Sie mit, dass sich das Buch sich noch eine Weile auf der SPIEGEL-Liste hält.

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