„Der Krieg vor dem Krieg“ –
von Ulrich Teusch

Eine Buchvorstellung

 

 

Hinweis der Redaktion: "Die Grenzen zwischen Krieg und Frieden werden immer poröser", schreibt der Hörfunkautor Ulrich Teusch in seinem neuesten Buch. Es schildert, "Wie Propaganda über Leben und Tod entscheidet". Teusch, der auch das Buch "Lückenpresse" veröffentlicht hat, übt harte Kritik an der eigenen Zunft: "Die historische Erfahrung lehrt", lesen wir im Klappentext, "Kriegstreiber haben von den etablierten Medien viel (bis alles) zu erwarten, Kriegsgegner wenig (bis nichts)". Wir wollen Ihnen das Buch mit einem Auszug, den der Autor uns freundlicherweise genehmigt hat, empfehlen:
 

Auszug aus dem Abschnitt „Die Propagandamacher“:

"Ein weiterer großer und aktiver Förderer des Regimewechsels in Nicaragua ist die Organisation USAID.10 USAID – das klingt nach interesse- und selbstlosem Einsatz für die Bedürftigen dieser Welt: Brunnen bohren, Krankenhäuser bauen, für Schulunterricht in armen Ländern sorgen. Das alles macht USAID in der Tat. Aber die Organisation tut noch mehr. Sie finanziert auch weltweit Journalisten, die der US-Außenpolitik freundlich gegenüberstehen beziehungsweise deren Arbeit von den USA als nützlich eingeschätzt wird.

USAID stärkt »freie« oder »unabhängige« Medien und Blogger, kümmert sich um Journalistenausbildung, um die Geschäftsentwicklung, um die Stärkung des rechtlichen Rahmens für »freie Medien« (mit 40 Millionen US-Dollar jährlich).

Zusammen mit der Open Society Foundation von George Soros finanziert USAID auch das Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP). Es betreibt »investigativen Journalismus« in Sachen Korruption und richtet seine Vorwürfe in der Regel gegen Regierungen, die in Washington nicht wohlgelitten sind.
Vertrauensvorschuss trotz nachweislicher Fehler

Zustimmung führender westlicher Medien

Das OCCRP arbeitet auch mit der Ermittlungswebsite Bellingcat des Bloggers Eliot Higgins zusammen. Higgins wiederum ist seit einiger Zeit Fellow der NATO-Denkfabrik Atlantic Council; er und seine Publikationen erfreuen sich der Aufmerksamkeit und Zustimmung führender westlicher Medien wie der New York Times oder der Washington Post. Obwohl Higgins’ »Enthüllungen« und Recherchen meist kontrovers aufgenommen werden und teilweise nachweislich fehlerhaft sind, genießt der Blogger bei Google eine Art Vertrauensvorschuss, während weniger genehme Websites mittels Veränderung der Algorithmen herabgestuft und damit in ihrer Reichweite beschnitten werden. Die freundliche Aufnahme ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass Higgins’ »Erkenntnisse« immer mit dem gerade angesagten Propagandathema der US-Regierung und ihrer westlichen Verbündeten übereinstimmen.

Um einen ähnlichen Fall handelt es sich bei der von westlichen Medien so gern und so oft zitierten Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, auch unter dem Kürzel SOHR bekannt (für Syrian Observatory for Human Rights). Auch die SOHR ist ein EinMann-Betrieb mit Sitz im britischen Coventry.

Der britische Journalist Peter Hitchens hat sich die Beobachtungsstelle im Frühjahr 2018 genauer angesehen und eine sehr interessante Information veröffentlicht. Am 13. Mai 2018 wunderte er sich in seiner Kolumne in der Mail on Sunday, dass sich die SOHR auf ihrer Website als unabhängig darstelle, wörtlich: »not associated or linked to any political body«.

Wie aber, so fragt Hitchens, ist es mit dieser angeblichen Unabhängigkeit zu vereinbaren, dass das britische Außenministerium der SOHR die beachtliche Summe von 194.769,60 Pfund zur Verfügung gestellt hat, um das Unternehmen mit »Kommunikationsausrüstung und Kameras« auszustatten? Das Foreign Office habe ihm diese Zahl bestätigt, sagt Hitchens, um dann süffisant hinzuzufügen: »That’s quite a lot, isn’t it?«

Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen

Das Portal Media Lens verweist auf den Journalisten Ian Sinclair, der die in Rede stehende Summe bestätigt habe. Man darf also davon ausgehen, dass es mit der Unabhängigkeit der SOHR nicht allzu weit her ist. Deutsche Medien ordnen die SOHR nicht selten als oppositionsnah ein (was immer das heißen mag). Tagesschau.de zum Beispiel fügt in seine Beiträge zum Syrienkrieg gelegentlich einen kleinen Infokasten ein: »Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte … sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.«

Da auch die Tagesschau »oppositionsnah« ist (zumindest in Bezug auf Syrien), verbreitet sie die Informationen natürlich trotzdem … Manchmal tut sie es aber auch nicht – und andere westliche Medien auch nicht.


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Zweifel über den behaupteten Giftgasangriff

Wie ist das zu erklären? Die Antwort liefert das Portal Moon of Alabama. Es hat eine bemerkenswert differenzierte Würdigung der Beobachtungsstelle veröffentlicht, die deutlich macht, dass westliche Medien vor allem dann SOHR-Informationen aufgreifen, wenn sie ins offiziöse Syrien-Narrativ passen. Verbreitet die SOHR hingegen Dinge, die weniger genehm sind (auch das kommt gelegentlich vor), werden sie geflissentlich übersehen.

So bezweifelte die SOHR den von den Weißhelmen und anderen behaupteten Giftgasangriff vom 7. April 2018 in Duma. Wenige Tage später bestätigte sie im Wesentlichen die Darstellung der syrischen Luftabwehr, sie habe einen Großteil des amerikanischen Vergeltungsangriffs (er erfolgte am 14. April) abwehren können.
"Keine besonderen Bemühungen staatlicherseits mehr erforderlich"

Aus Sicht des 2018 verstorbenen Investigativjournalisten Robert Parry, der die Herausbildung der Reaganschen Propagandamaschine aufgrund der in den vergangenen Jahren freigegebenen Dokumente rekonstruiert hat, hat sich der Prozess der propagandistischen Formierung unter den nachfolgenden Präsidenten bruchlos fortgesetzt.

Insbesondere die journalistische Zunft und die Mainstream-Medienlandschaft seien inzwischen dermaßen angepasst und »auf Linie«, dass im Grunde keine besonderen Bemühungen staatlicherseits mehr erforderlich seien. Es würde ein Lächeln auf William Caseys oder Walter Raymonds Gesicht zaubern, sagt Parry, wenn die beiden sehen könnten, wie reibungslos das von ihnen erdachte System inzwischen funktioniert.

Journalisten müssen nicht mehr speziell bearbeitet, unter Druck gesetzt oder schikaniert werden – sie sind alle schon an Bord. Dieser Befund gilt auch, wie wir noch sehen werden, für den Journalismus in Zeiten eines Präsidenten vom Schlage Donald Trumps. Soweit sich hier medialer Widerstand bemerkbar macht, richtet er sich jedenfalls nicht gegen die vertrauten Grundlinien amerikanischer Außen- und Sicherheitspolitik".

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