Die wirtschaftlichen Folgen von Corona

Von Prof. Dr. Max Otte


Herausgeber, PI Politik Spezial

 

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag von Max Otte erschien zuerst in der Schwerpunktausgabe Corona (4/2020) unseres Politikmagazins PI Politik Spezial.

 

Nach anfänglichem Zögern hat die Bundesregierung, wie viele andere Regierungen auf der Welt, drastische Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus angeordnet, die einen drakonischen Einschnitt in unsere Grundrechte darstellen. Das öffentliche Leben sowie in vielen Bereichen das Wirtschaftsleben stehen weitgehend still.
Die Folgen sind massiv: eine Pleitewelle droht, die Arbeitslosigkeit schießt in die Höhe. 70.000 Bertrieben im Hotel- und Gastgewerbe droht die Insolvenz, einem Drittel aller Betriebe der Branche. Auch die Lufthansa wird auf Staatshilfen angewiesen sein, um eine Insolvenz zu vermeiden. In der Autoindustrie wird die Rückkehr zur Normalität lange dauern, wie der verkehrspolitische Sprecher der AfD, Dr. Dirk Spaniel in einem Interview in unserem Kanal erläuterte. Vor seiner politischen Tätigkeit war Dr. Spaniel Manager in der Autoindustrie.

Schwerste Rezession der Geschichte

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schätzt den Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts 2020 auf 2,8 bis 5,4 Prozent. Das Bundesministerium für Wirtschaft erwartet einen Rückgang um sechs bis sieben Prozent. Peter Altmaier spricht von der „schwersten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.“ 

Zum Vergleich: Im Jahr 2009 schrumpfte die deutsche Wirtschaft aufgrund des drastischen Rückgangs der Exporte um 5,7 Prozent. Damals haben wir den Absturz der Weltwirtschaft durch eine Schuldenorgie der Notenbanken verhindert. Bis jetzt haben in 2020 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet, im Krisenjahr 2009 waren es 3,3 Millionen gewesen.


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Dennoch wird Deutschland vergleichsweise gut durch die Krise kommen. Unser Sozialsystem wirkt tatsächlich als automatischer Stabilisator. In den USA sieht es viel schlimmer aus. Zudem haben die Regierungen und Notenbanken bei den Krisen der letzten Jahre fleißig geübt und zünden nun die dritte Stufe der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen.

Sie wissen, Geldpolitik und Niedrigzinsen, mit denen die Krise 2009 erstickt wurde, ziehen alleine nicht mehr. Es müssen direkte keynesianische Maßnahmen her, also direkte Staatsnachfrage. Auch direkte Beihilfen an Unternehmen und Menschen, wie zum Beispiel das Arbeitslosengeld, haben eine andere Qualität als geldpolitische Maßnahmen, die in der Vergangenheit vor allem die Asset Märkte nach oben getrieben und die Vermögenden noch vermögender haben werden lassen.

Direkte Beihilfen und Arbeitslosengeld werden demgegenüber direkt nachfragewirksam – sie sind im Prinzip das in der Vergangenheit schon öfter erwähnte Helikoptergeld. Der Nachfrageausfall aufgrund der Krise soll damit teilweise kompensiert werden. In der Sprache der Ökonomen: der Staat ist nach Geldpolitik und Angebotspolitik (Verbesserung der Produktionsbedingungen) zu direkter keynesianischer Nachfragepolitik übergegangen. 

Wir wissen nicht, wie es weitergeht

Dazu hat der Bund einen Nachtragshaushalt über 156 Mrd. Euro beschlossen und die Schuldengrenze außer Kraft gesetzt: die Corona-Pandemie stelle eine außergewöhnliche Notsituation dar, die sich der Kontrolle des Staates entziehe und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtige. Dieser Nachtragshaushalt entspricht knapp 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Noch sind die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns beherrschbar und global vielleicht ungefähr mit der Finanzkrise 2008–2009 vergleichbar. Doch mit jeder Woche erhöhen sich die wirtschaftlichen Folgekosten. Ich bin dennoch persönlich stark in Aktien investiert, unsere Fonds haben in der Krise die Liquidität abgebaut. Anfang April könnten wir den Sellout gesehen haben.

Aber sicher ist da nichts – es gibt einfach zu viele Unbekannte. Immerhin: in den USA wagt der Bundesstaat Georgia den Schritt aus dem Lockdown, obwohl er stark betroffen ist. In NRW dürfen ab dem 1. Mai religiöse Versammlungen wieder stattfinden.

Wer bezahlt es?

Mit vier Wörtern: Wieder einmal die Mittelschicht.

All diese Maßnahmen führen uns vielleicht recht zügig aus der unmittelbaren Krise hinaus. Allerdings haben direkte Staatseingriffe massive negative strukturelle Nebenwirklungen. Schon im Jahrzehnt seit der Finanzkrise ist das Produktivitätswachstum in den westlichen Industrienationen auf nahezu Null gesunken, weil wir mit den Niedrigzinsen auch viele unproduktive Unternehmen subventionieren. In den USA nutzen die Unternehmen die billigen Kredite kaum zu realen Investitionen. Stattdessen griffen Sie zu Finanztricks und kauften massiv eigene Aktien zurück, was in guten Zeiten die Gewinne schönt, in schlechten aber zum Bumerang werden kann.

Im Zuge der Krisenmaßnahmen werden die Schulden in vielen Staaten sprunghaft ansteigen. Schon jetzt besteht keine Aussicht, dass sie jemals zurückgezahlt werden. Und verschiedene Politiker fordern schon höhere Steuern, Steuern auf Dividenden oder Vermögensabgaben. Ein Gutachten der wissenschaftlichen Dienste des Bundestags (Bundestagsdrucksache WD 4 – 3000 – 041/20) beschäftigt sich bereits mit der „Verfassungsmäßigkeit einer Vermögensabgabe zur Bekämpfung der Corona-Pandemie“. 

Direkte Vermögensabgabe eher nicht verfassungsmäßig

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages kommt zu der vorsichtigen Einschätzung, dass eine direkte Vermögensabgabe im Zuge des Corona-Lockdowns wohl eher nicht verfassungsmäßig ist, weil die Höhe der Belastungen noch gar nicht feststeht. Bislang wurde eine solche Abgabe nur dreimal erhoben: als „Wehrbeitrag“ im Jahr 1913, als „Reichsnotopfer“ 1919 und mit dem Lastenausgleichgesetz von 1952.

Verfassungsmäßigkeit hin oder her: die Staaten sind mittlerweile sehr viel klüger, die Kauftraft der Mittelschicht abzuschöpfen. Sei es durch Negativzinsen und Niedrigzinsen (Abschmelzen der Ersparnisse), ggf. direkte Heranziehung von Ersparnissen zur Bankensanierung (Testfall Zypern 2013;  Bail-in-Richtlinie der EU), neue Steuern, Erhöhung der Gebühren und Beiträge für öffentliche Dienstleistungen und so weiter und so fort. Wenn zum Beispiel eine Vermögensabgabe rechtlich nicht zulässig sein sollte, so wären es doch zum Beispiel höhere Grundsteuern, wenn sie politisch korrekt beschlossen würden.

Keine Frage: wir sind so oder so im ökonomischen Endspiel. Corona ist der ideale Schuldige für all das, was unsere Regierenden in den letzten Jahrzehnten ökonomisch verzapft haben. 

Was tun?

Gelegentlich werde ich von Personen des öffentlichen Lebens angesprochen.
Es gilt immer noch, was ich bereits 2006 schrieb: Gold, Aktien, etwas Bares und ein (legales) Depot im (halbwegs sicheren Ausland) sind der beste Schutz. Auch Grund und Boden sind gut, aber wer da nicht bis Anfang der 2010er Jahre gekauft hatte, der zahlt mittlerweile horrende Preise. Ich jedenfalls habe noch nie soviel Zeit im eigenen Garten verbracht wie dieses Jahr.

Immer wieder erhalte ich Briefe von Personen des öffentlichen Lebens, die mir vertrauen und mich um Rat bitten. Einer Person, die Sie sicher alle kennen, habe ich wie folgt geantwortet:

 

Liebe/r….,

Sie machen sich zu Recht sorgen um Ihre 200.000. Die MÜSSEN weniger wert werden, sei es durch, Banken-bail-in, Negativzinsen, etc. etc. Auch eine komplett schuldenfreie Immobilie ist nicht die beste Idee, da viele Menschen verschuldet sind und man diese nicht komplett hängen lassen kann. Eher kommen Sonderbelastungen auf nicht verschuldete Immobilien zu. Es gibt keine absolute Sicherheit. 

 

Ich würde mischen:

- weitere 30.000 € in Edelmetallen
- 5.000 - 10.000 in CHF bar, kann die Sparkasse besorgen, ggf. hartnäckig sein
- 3 verschiedene Mischfonds, täglich handelbar. Jetzt vielleicht 3 x 20.000 und im Herbst nochmal 3 x 20.000. Fonds sind Sondervermögen. Sie können im Wert schwanken, sind aber im Krisenfall nicht Teil der Bankbilanz, sondern stehen Ihnen zu.

 

Dann haben Sie Ende des Jahres:

60.000 in Edelmetallen
10.000 in Devisen
40.000 auf dem Konto
120.000 in 3 verschiedenen Fonds

 

Als Fonds kann ich Ihnen empfehlen:

Max Otte Vermögensbildungsfonds - WKN: A1J3AM 
Wagner Florack Unternehmerfonds - ISIN: DE000A1C4D48
Acatis Gane Value Event - WKN: A0X754

 

Fazit: es gibt keine absolute Sicherheit. Wer es sich zutraut, kann statt der Fonds auch ein Depot mit Einzeltiteln aufbauen. Natürlich ist jede Situation anders. Aber die obige Strategie lässt sich prinzipiell auch mit 100.000 € oder 50.000 € durchführen. Darunter würde ich das Ganze etwas straffen. Streuung muss auch dann sein. - In Weltsystemcrash habe ich ein Kapitel überschrieben mit: „Einen klaren Kopf bewahren.“ Das wünsche ich Ihnen.