"Mit entsetzten Grüßen"

Offener Brief des Ex-Polizisten und Ex-Bürgermeisters Norbert Zerr
an den Intendanten des WDR

 

Hinweis der Redaktion: Der Absender des folgenden Briefes ist der Redaktion persönlich bekannt, er hat uns den Abdruck seines Briefes an den WDR-Intendanten erlaubt.

 

Sehr geehrter Herr Buhrow, sehr geehrte Damen und Herren,

diese Beschwerde wird etwas länger, da ich gar nicht mehr weiß, wo man überhaupt noch anfangen soll. Zudem nehme ich an, dass ich damit in guter Gesellschaft bin.

Schon lange ärgere ich mich über das gesamte Programm,

das aus meiner Sicht nur noch wenig mit Qualitätsjournalismus, objektiver Information oder einer ansprechenden Unterhaltung zu tun hat. 

Grundsätzliches

Auf die Programmpalette will ich jetzt nicht tiefer eingehen, denn das würde wirklich den Rahmen sprengen.

Vielmehr geht es mir um aktuelle Beispiele, die zu Recht für großes Aufsehen gesorgt haben.

Angemerkt sei vorab, dass ich von den Privatsendern gleich gar nichts halte. Das dort abgelieferte Programm gleicht einem Volksverdummungsprogramm, das scheinbar auch so gewünscht ist. Eine dumme Bevölkerung lässt sich leichter steuern und besser erziehen.

Nun werde ich das Gefühl nicht mehr los, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten immer mehr diesen Privatsendern anpassen und irgendwann verschmelzt beides ineinander, so meine Befürchtung.   

Man darf gespannt sein, wie lange das noch so weiterläuft und wie lange sich der zahlende Bezieher das alles noch gefallen lässt.    

Worüber ich nun total erstaunt und entsetzt bin, ist Ihr Satireverständnis, wonach Satire nach gewissen Auffassungen ja alles darf. Ich hoffe, Sie betrachten dieses Schreiben nicht als Satire, denn es ist mir ein ernstes Anliegen, zum Ausdruck zu bringen, dass ich das, was hier als Satire bezeichnet wurde, meiner Auffassung nach nichts mit Satire zu tun hat.

Noch eine wichtige Anmerkung, die mir auffällt, aber in den Sendern stets anders interpretiert wird. Es gab Zeiten, da sah ich – kompakt ausgedrückt - die Leitmedien als vierte Gewalt an. Inzwischen stelle ich nur noch eine Huldigung der politischen und regierenden Elite, ausgenommen natürlich der AfD, fest. Aber auch darauf möchte ich nicht tiefer eingehen, denn das ist ein Thema für sich. Besser gesagt, ich denke die „staatsunkritischen und -huldigenden“ Leitmedien werden mit der Zeit ohnehin ausbluten oder zum Überleben staatlich so subventioniert werden, dass es dann ohnehin komplett nur noch „getarnte“ staatliche Pressestellen sind.     

Doch nun will ich darauf eingehen, was mich maßlos ärgert und ich beschämend finde. Auch wenn das Thema bei Ihnen schon zahlreich angekommen sein mag, auch meinen Einwand und meine Entrüstung noch dazu.

Von der Umweltsau zur Nazisau

Anbei möchte ich mich so nach und nach auch ein wenig vorstellen.

Dieses Zitat kennen Sie sicher inzwischen gut:

Ihr Mitarbeiter Danny Hollek twitterte in vollendetem Jugendspeech:

„Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die jetzt über #Umweltsau aufregen.

Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau.“

Vorausgegangen ist ja bekanntermaßen die Gesangseinlage

“Oma ist eine Umweltsau”, gesungen von dem Dortmunder Kinder- bzw. Mädchenchor des WDR.

Ich frage mich nebenbei ernsthaft, ob die Kinder verstehen, was sie da so instrumentalisiert gesungen haben? Oder, ob sie wissen, dass dies ja nur Satire ist. Oder ob sie den Sinn, wenn es überhaupt einen gibt, nur ansatzweise erkennen?

Oder wie stehen die singenden Kinder nach diesem – ich muss es so sagen - Schwachsinnslied-/auftritt ihren Großeltern gegenüber? Beschimpfen sie jetzt ihre Großeltern, vorwiegend die Omas als Umweltsauen oder nun in gesteigerter Form als Nazisauen.

Es ist unfassbar, was hier in ihrem Sender angerichtet wurde und jetzt in bekannter Manier heruntergespielt und auf die Ebene der Satire gezogen wird.


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Zu dem Urheber der Nazisau 

Man kann dem jungen Journalisten ein wenig nachsehen, dass er mit Anfang zwanzig nicht besonders viel an Lebenserfahrung vorzuweisen hat. Das übertüncht er meiner Ansicht nach mit einer gehörigen Portion Arroganz. Egal, er kann es wahrscheinlich nicht besser.

Nach dem kompletten Vertrauensverlust in die öffentlich-rechtlichen Medien gehe ich davon aus, dass einer wie dieser so niedlich klingende Danny sicher für sein Fehlverhalten nicht groß zur Verantwortung gezogen wird. Nun stelle ich mir gerade vor, er hätte in irgendeiner Form ähnlich etwas satirisch über Migration oder Flüchtlinge ausgedrückt.

Da hätte sicher die Satire versagt.

In diesem Zusammenhang fällt mir nachstehender Tatbestand ein.

§ 130 Volksverhetzung StGB (Strafgesetzbuch)

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1.

gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder

2.

die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Ich will jetzt nicht weiter in eine Kommentierung oder Auslegung dieser Vorschrift hinsichtlich der öffentlichen Diskriminierung durch Ihren Mitarbeiter, die nun als Satire getarnt abgeschwächt werden soll, weiter eingehen, zumal sich auch Experten nicht darüber einig sind, wen diese Vorschrift genau schützen soll. Ob da auch Omas, die nun als Nazisauen bezeichnet werden - wobei die Herkunft der Omas natürlich nicht daraus hervorgeht – darunter fallen, müsste geprüft werden. 

Dennoch denke ich, und mit dieser Meinung dürfte ich ebenfalls nicht alleine sein, wäre dies eine Sache für die Staatsanwaltschaft.

Nun will ich überleiten zu meiner Person, damit Sie auch einen Eindruck von mir bekommen.

Vorweg gestehe ich, dass ich sehr konservativ eingestellt bin.   

Meine Frau und ich können wahrscheinlich schon als stockkonservativ bezeichnet werden, da wir knapp 40 Jahre verheiratet sind. Obwohl ich nicht gläubig bin, gaben wir uns vor dem Altar das Versprechen, dass wir erst durch den Tod geschieden werden sollen. Ich hoffe, das dauert bis dorthin noch sehr lange an. Wir haben dies auch so vor.

Wir haben jung geheiratet. Wir waren beide 19 Jahre und ich bilde mir ein, dass ich selbst mit 19 Jahren nie auf so eine satirische Idee wie ihr Mitarbeiter gekommen wäre. Nun sind wir beide auch schon Großeltern.

Unser ältestes Enkelkind ist zwar ein paar Jahre jünger als die Sängerinnen Ihres Chors, aber wenn er bei so einem (ich muss es wiederholen) saudummen Lied mitsingen hätte müssen/wollen, hätte er sicher gefragt, was denn eine Nazisau ist und warum seine Oma eine Nazisau sei. Die nächste Frage hätte dann sicher gelautet: Ist Opa auch eine Nazisau?

Erschwerend kommt bei uns noch hinzu, dass wir leidenschaftliche Motorradfahrer sind. Irgendwann werde ich ihm schon erklären was richtige Nazisauen sind, die wir selbst natürlich verachten.

Ich stamme aus einer donauschwäbischen Flüchtlings- und Vertriebenenfamilie, wo nicht alle die Nazizeit überlebt haben und wo Flucht und Vertreibung zudem die Familie auseinandergerissen haben.

Meine Urgroßeltern (die ja nach Ansicht ihres Mitarbeiters sicher auch bei den Nazisauen einzuordnen wären) mussten beide Weltkriege ertragen.

Wie mir meine Urgroßmutter und auch meine Großmutter erzählten, waren sie von der Nazizeit weder begeistert noch war irgendwelche Freiwilligkeit oder Sympathie dafür vorhanden. Ich will jetzt nicht weiter ausführen, was diese Nazizeit bei meinen Urgroßeltern und Großeltern angerichtet hat.

Nur so viel sei noch dazu gesagt: In unserem Hause wurden Hitler und seine Nazis verachtet. Für das große Leid der ganzen Familie waren Hitler und sein Regime die Auslöser.

Und nun sind Großeltern, speziell Großmütter der Generation um die 80 Jahre, die damals als Kinder unter den Nazis und den Folgen leiden mussten, automatisch Nazisauen?

Pfui Teufel, kann ich nur über so eine Art der Satire, auch im Namen und in Gedenken meiner Groß- und Urgroßeltern sagen.

Diese Lebensumstände hatten sicher Einfluss auf meine Persönlichkeitsentwicklung. Ich wurde Polizeibeamter und war - bis ich Bürgermeister wurde - als Polizeihauptkommissar Leiter einer Dienstgruppe. Mir ging es immer darum, mich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzusetzen, woran sich bis heute nichts geändert hat.

Ich habe mich deshalb auch parteipolitisch engagiert. Volker Kauder kennen Sie sicher noch. Ich stamme aus seinem Wahlkreis und dachte, man könne in der CDU mitgestalten. Das funktioniert aber nur solange man sich an der vorgegebenen Meinung entlang hangelt, besser noch, diese sich bis zur totalen Unterwerfung einverleibt. So wie ich Volker Kauder kennen gelernt habe, war er ein Meister seines Faches.

Kurz gesagt, mich wundert politisch gesehen nichts mehr

Das hält mich aber nicht davon ab, mich in dieser Weise zu Wort zu melden und meinen Protest zum Ausdruck zu bringen und mein Engagement für eine funktionierende demokratische Gesellschaft anderweitig auszurichten.

Da Sie nun wissen, dass ich Polizeibeamter (zuletzt Beamter im gehobenen Dienst und mit einer Führungsaufgabe betraut im operativen Dienst – insgesamt über ein Jahrzehnt) war, möchte ich zum nächsten Skandal der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten überleiten.

Davor noch ein Satz zu Ihrem Mitarbeiter Hollek. Ich verachte Leute wie diesen Herrn Hollek. Wenn das stimmt, was ich aus seiner linksextremen Vergangenheit mitbekommen habe sowieso.

Wo ich vollkommen mit Ihnen einig bin: dass er nun Morddrohungen bekommt, kann ich nur auf das Äußerste verurteilen. Morddrohungen, egal von welcher Richtung oder Gesinnung diese kommen, sind keine demokratischen Mittel der Auseinandersetzung. Deshalb gehören diese auch strafrechtlich und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgt und ernstgenommen.

Da Sie sich, Herr Buhrow, in dieser Hinsicht hinter Herrn Hollek stellen und ihn hinsichtlich der Morddrohungen unterstützen, kann ich nur mit großem Respekt unterstreichen und ebenfalls in vollem Umfang unterstützen. Hier muss Herr Hollek jede Unterstützung von Menschen, die hinter der freiheitlichen Grundordnung und der Demokratie stehen, erfahren.  

Nun möchte ich aber zum nächsten Aufreger, verursacht durch öffentlich-rechtliche Sendeanstalten, überleiten.

Fick die Cops

Quelle: Scrennshots Clip – You tube

https://www.youtube.com/watch?v=XM1JVF9leyk

Da ich ja Ex-Cop bin, aber weiterhin noch gut vernetzt und tief verbunden mit der Polizei bin, finde ich diesen wohl auch satirisch gemeinten Experimentiersong unterste Schublade.

Ich hätte gern den gesamten Experimentierchor einmal zu Polizeieinsätzen für dieses Land und seine Bürger mitgenommen.

Vor allem wenn die sogenannten Bullenschweine um ihr Leben bangen müssen und sich oft fragen, ob ihr Job noch einen Sinn macht? Und immer im Hinterkopf, dass die Politik nicht hinter ihnen steht, wie sie immer so schön verkündet, sondern dies nur medial vermitteln will. 

Ich kann mich an einige Situationen erinnern (z.B. Festnahme eines bewaffneten Bankräubers), wo es fast zu einem Schusswechsel kam, wo man nicht wusste, ob man seine Familie noch einmal sieht oder der Familie nach einem Schichtumlauf nur noch der Abschied vom „gefickten Cop“ im Leichenschauhaus übrigbleibt. Dann wissen Sie auch einmal, was richtige Todesangst im Einsatz für die Bevölkerung ist.    

Ein Polizeieinsatz, wo es um lebensbedrohliche Situationen geht, wäre doch einmal für so einen Chor und einen Sender, der sich für so ein Experiment hergibt, etwas? Ich wäre gespannt, ob danach noch einmal so ein herabwürdigendes Lied angestimmt werden würde.

Ich will es dabei belassen, denn ich erhoffe mir nichts mehr von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Bei den Privaten ist nichts anderes zu erwarten, aber die ÖRR passen sich wie gesagt immer mehr diesem Niveau an.

Trotzdem war es mir wichtig meine Enttäuschung und Empörung zum Ausdruck zu bringen.

 

Mit entsetzten Grüßen

 

Norbert Zerr

Baden-Württemberg

Polizeihauptkommissar a.D.

Bürgermeister a.D.