Seltsame Verbündete
im Kampf gegen das Bargeld

Ein Beispiel aus der Schweiz

von Markus Gärtner

 

Unser Autor Willy Wimmer hat mir in einem ausführlichen Interview vergangene Woche erzählt, dass er seine Informationsaufnahme regelmäßig durch Nachrichtensendungen im deutschsprachigen Ausland abrundet. Dabei fiel ihm dieser Tage auf, dass Überfälle auf nächtliche Geldtransporte im Nachbarland Schweiz - und dort vor allem im Kanton Waadt, der an den Genfer See und an Frankreich grenzt - ein enormes Problem geworden sind. Bisher wird wenig dagegen getan, obwohl als Folge eine Verknappung des Bargeldangebots droht - und wohl auch inkauf genommen wird. Wimmer schrieb uns dazu:

Die sich häufenden, bandenmäßigen Überfälle auf Geldtransporte in der Schweiz und dabei vor allem in Grenznähe zwischen Genf und Lausanne, haben interessante Konsequenzen. Durch staatliche Repräsentanten wird eine Bargeldverknappung als Konsequenz angestrebt. Zur Begründung wird angeführt, daß die Überfälle auf  kleinere LKW, mit denen bisher in der Schweiz Geld nächtens transportiert wurde, nicht länger hingenommen werden könnten. Bargeldverknappung auf diese Weise könne durch Kreditkarten aufgefangen werden. Hintergrund dieser Entwicklung ist das in der Schweiz bestehende Nachtfahrverbot für große LKW. Um das Fahrverbot nicht zum Hemmnis für die Bargeldversorgung zu machen, sind bislang kleinere LKW eingesetzt worden. Nach Recherchen des Fernsehens in der Schweiz werden die aus dem Mahgreb stammenden Banden in und um Marseille ausgebildet. Der Einsatz gegen die kleineren LKW erfolgt mittels Kriegswaffen bis zu Panzerfäusten.

Die Versorgung der Bürger mit Bargeld wird untergeordnet

Wenn man sich die Zeitungsberichte in den Schweizer Medien dazu anschaut, fällt nicht nur auf, mit welch beängstigender Gewaltbereitschaft die Täter ihre Attacken ausführen, sondern auch, wie wenig bisher die Parlamentarier gegen diese ungeheuer brutalen Überfälle zu tun bereit sind. Dem Ruhebedürfnis der Bürger in der Nacht wird die Versorgung der Bürger mit Bargeld untergeordnet. Eine Abwägung, sicher. Aber könnte man nicht beides erreichen?

Der jüngste Artikel in der Neue Zürcher Zeitung zu einem Überfall vor wenigen Tagen liest sich fast wie ein Kriegsbericht:

"Gemäss Angaben der Polizei blockierten Unbekannte mit zwei Autos einen Geldtransporter der Post AG, zwangen die beiden Kuriere mit gezückter Feuerwaffe zum Aussteigen, wuchteten die Türe des Wagens mit Sprengstoff auf, leerten dessen Inhalt und setzten danach alle Fahrzeuge in Brand, um Spuren zu verwischen. Auf den Videoaufnahmen eines Augenzeugen ist zu sehen, wie die Täter Kiste um Kiste aus dem Transporter schleppen. Sie flüchteten in schwarzen Kombis und konnten bis anhin nicht gefasst werden".


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Zeugenvideo zeigt gespenstische Szenen

Bei solchen Überfällen kommen nicht nur Sprengstoff und Kalaschnikows, sondern auch Panzerfäuste zum Einsatz. In dem Bericht der NZZ ist ein Zeugenvideo zu sehen, das die ganze Dramatik eines solchen Überfalls deutlich macht.

Doch mehrere Anläufe im Bundesrat - der laut NZZ "nichts wissen will" - scheiterten bisher unter Verweis auf das Ruhebedürfnis der Bürger. Im Bericht der NZZ wird aber deutlich, dass nicht nur eine Fahrerlaubnis für schwere Geldtransporter, die mit besseren Sicherheitssystemen und einer Selbstzerstörungsanlage für das beförderte Bargeld ausgestattet werden können, bislang auf sich warten lässt, sondern auch, dass nach Branchenangaben der Sicherheitsfirmen "schweizweit und pro Nacht höchstens zehn zusätzliche schwere Motorwagen unterwegs wären". Das setzt die Einwände zum Schutz der Nachtruhe dem Verdacht aus, eher als Vorwand zu dienen als der Sache.

Es scheint, als habe Willy Wimmer durchaus recht mit seiner Vermutung, dass eine Bargeldverknappung bewusst angestrebt wird, um einen weiteren Hebel in der Hand zu haben, damit dem Baren endlich der Garaus gemacht werden kann.

Dass ein wirksamer Schutz solcher Transporte möglich ist, zeigen die Berichte in Schweizer Medien, wonach die Täter wegen neuer Verordnungen von Frankreich - wo sie offenbar in Lyon stationiert und in Marseille ausgebildet werden - jüngst verstärkt in die Schweiz ausgewichen sind.