Trump: Schneekönig in Davos

Von Willy Wimmer

 

Der Auftritt des amerikanischen Präsidenten Trump in Davos hatte es in sich. Dabei kann man getrost seine Abwesenheit beim Merkel-Colloqium tags zuvor in Berlin oder das heimatliche Impeachment-tam-tam außer Betracht lassen. Er war geradezu der Präsident von zwei Sphären.

Einmal des amerikanischen Nationalstaates und der globalen Wirtschafts-und Politik-Truppe, die nach der amerikanischen Pfeife tanzt. Mit seiner nationalen Leistungsbilanz war er der große Zampano in der Davos-Runde. Er sprach geradezu zu seinen Deckoffizieren in der „shareholder-value-Welt“. Es war wie weiland bei dem britischen Seefahrer und Großplünderer Francis Drake. Da stand jemand auf der Brücke seines Schiffes und versprach seinen Gefolgsleuten glänzende Aussichten.

Man muß sich bei dem Bild, das Präsident Trump in Davos hinterließ, nur eine einzige Frage stellen: würden die Vereinigten Staaten einem einzigen Staat auf dem Globus soviel nationale Verantwortung - und sei es nur auf dem Feld der Wirtschafts-und Sozialpolitik - erlauben in der schönen „shareholder-value-Welt“, die der Präsident Trump wie selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt? Die Frage kann man in Deutschland durchaus beantworten.

Soziale Marktwirtschaft gab es so lange, wie die Existenz der Sowjetunion nicht gefährdet war. Danach kam „shareholder-value“ und Schröder´s „Agenda 2010“ mit dem fast garantierten Untergang nicht nur der SPD sondern auch der CDU als soziale Volksparteien. So viel Bündnistreue muß in Berlin und Brüssel schon sein.


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Nicht umsonst redet die deutsche Bundeskanzlerin in Davos als begnadete Erfinderin von „marktgerechter Demokratie“ auf dem Forum zu einem Zeitpunkt, an dem diejenigen, die was auf sich halten, schon längst in ihre Firmenjets gestiegen sind. Franz Müntefering hat diejenigen aus der Wirtschafts-und Finanzelite, die sich auch in diesem Jahr wieder in Davos getroffen haben, als „Heuschrecken“ bezeichnet. Das Dilemma dieser Spezies wird in dem überlieferten Sinnpruch eines Verteters des „rheinischen Kapitalismus“ deutlich. Einer aus der Sippe der Werhahn ließ sich einmal damit vernehmen, daß „man es nicht vom Ausgeben, sondern vom Behalten“ habe.

Greta aus Schweden würde ihm vermutlich heute, zu seinen Füßen sitzend, andachtsvoll zuhören. So hat sie es in Davos mit denen zu tun, die wie die Heuschrecken nur abgegraste Flächen hinzerlassen und schon im Kampfbegriff vom „shareholder“ wenig bis nichts von der gesellschaftlichen und nationalen Verantwortung zu erkennen geben dürfen. Präsident Trump hat genau davon gesprochen, aber er meinte nur sein Land. Alle im Saal werden es verstanden haben, denn sonst wären sie nicht nach Davos gebeten worden.

Redaktion: Wir danken dem Autor Willy Wimmer ganz herzlich für die Überlassung seines Textes.